Pressemitteilung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt vom 30.04.2019

Pflanzenschutzmittel-Einsatz zum Schutz der Eichenwälde, Hubschrauber im Einsatz

Zum Schutz hiesiger Eichenwälder vor Kahlfraß durch Schwammspinnerraupen werden in den besonders
gefährdeten Bereichen ab Anfang Mai Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Die Ausbringung erfolgt durch einen
Hubschrauber auf etwa 2% der Waldfläche im Landkreis Schweinfurt. Insgesamt handelt es sich um 30
Einzelflächen mit zusammen rd. 480 Hektar. Enthalten sind dabei auch Versuchsflächen eines Forschungs-
projektes. Weitere Informatio-nen zur Lage der Waldgebiete finden Sie auf der Internetseite des AELF Schweinfurt
www.aelf-sw.bayern.de .
Je nach Witterungsverlauf und Austrieb der Eichen ist damit zu rechnen, dass im Laufe des 2. Mai
erste Flächen im Landkreis Schweinfurt behandelt werden könnten. Bei idealen Witterungsverhältnissen
dauert die Gesamtmaßnahme voraussichtlich 2-3 Tage.

Rechtzeitig vor Beginn der Befliegung werden die betroffenen Waldgebiete vorsorglich mittels rot-
weißem Absperrband und gelber Beschilderung gesperrt. Das Betretungsverbot gilt für 48 Stunden
nach der Befliegung. Die Bevölkerung wird gebeten, diese Sperrungen zu beachten. In der Gemeinde
sind folgende Waldgebiete betroffen:

  1. nördlich an Euerbach angrenzend
  2. nordwestlich von Obbach (Altbauholz)
  3. südwestlich Sömmersdorf (Bauernschlag)

Dem Pflanzenschutzmittel-Einsatz gingen umfangreiche Vorarbeiten voraus. Im Herbst letzten Jahres
haben Förster die potentiell gefährdeten Eichenwälder im Landkreis kontrolliert. Auf Grundlage eines
weiterentwickelten, aufwändigen Prognoseverfahrens haben sie neben der Anzahl der Eigelege des
Schwammspinners auch Vitalitätsparameter der Eichenwälder sowie das Vorhandensein weiterer
Schädlinge der Eiche erhoben. Häufig wurden dabei auch die für den Menschen gefährlichen
Gespinste des Eichenprozessionsspinners gefunden.

Die vor Ort erfassten Daten hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising
ausgewertet, um präzise jene Eichenwälder herauszufiltern, auf denen für das Jahr 2019 die Gefahr
eines Kahlfraßes besonders hoch ist und um die zu behandelnde Fläche so klein wie möglich zu
halten. In diesen identifizierten Gefährdungsflächen hat das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten Schweinfurt alle Waldbesitzer angeschrieben, die Gefährdungssituation erläutert und sie
über die Möglichkeit informiert, sich für einen Pflanzenschutzmittel-Einsatz anzumelden. Im Landkreis
Schweinfurt haben sich die angeschriebenen Waldbesitzer nach intensiven Abwägungsprozessen
auf weit überwiegender Fläche für einen Pflanzenschutzmittel-Einsatz entschieden.

In enger Abstimmung mit der Naturschutzverwaltung wurden parallel all jene Gefährdungsflächen
aus der Planung herausgenommen, bei denen naturschutzfachliche Gründe entgegenstehen. Auch
werden zu Waldrändern, Gewässern, Wohngebäuden und Straßen bei der Mittelausbringung per
Hubschrauber entsprechende pflanzenschutzrechtliche Abstände gehalten.

Eingesetzt wird das Pflanzenschutzmittel Mimic, welches auch im Obst- und Weinbau eingesetzt wird.
Als sogenanntes Fraßinsektizit entfaltet Mimic seine Wirkung, sobald die Raupen des Schwammspinners
beginnen Eichenblätter zu Fressen. Ziel ist es, durch ein solches Mittel möglichst spezifisch nur diejenigen
Arten zu treffen, welche in den kommenden Wochen die Blätter der Eiche als Nahrung nutzen.
Das Mittel ist nicht bienengefährlich.

Begleitet wird der Pflanzenschutzmittel-Einsatz von einem umfangreichen, auf drei Jahre angelegten
Forschungsprojekt. Untersucht wird dabei welche Auswirkungen der Pflanzenschutzmittel-Einsatz
einerseits und der Kahlfraß an den Eichen andererseits sowohl für die Alteichen als auch für andere
Glieder der Waldlebensgemeinschaft „Eichenwald“ hat. Beteiligt sind die Technische Universität
München, die Universität Würzburg und die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.